
Am Montag gings los auf „Safari“ in den Mole
Nationalpark im Norden. Um halb 6 wurden wir am Haus abgeholt und zur
Busstation nach Accra gebracht, um mit einem richtigen Reisebus in den Norden
zu fahren. Die ghanaische Pünktlichkeit war mal wieder zu spüren: Der Bus kam erst
so spät, dass wir hier um halb 10 losgekommen sind und wir waren ganze 12
Stunden unterwegs. In der letzten Reihe saßen Männer, deren erste Frage war:
Haben wir einen Aufpasser im Bus, der im Notfall eine Knarre hat? Und das war
wirklich ernst gemeint. Denn normalerweise, so auch auf dem Rückweg, steigt
immer einer mit ein, sobald man nachts unterwegs ist.
Da wir im Voraus keine Unterkunft bekommen haben, da im Reiseführer alle
Telefonnummern falsch sind, sind wir ganz naiv zu achtzehnt nach Tamale, in der
Hoffnung, nach 22 Uhr noch etwas zu bekommen. Ein Mann aus dem Bus hatte das
spitz gekriegt und einen Freund angerufen, der uns dann versichert hatte, wir
können in eine bestimmte Lodge. Vor der Lodge stellte sich dann aber heraus,
dass sie doch keinen Platz für uns hätten. Also haben wir die Nacht in einem
heruntergekommenen Hotel geschlafen (der Idiot wollte ganze 30 GH Cedi dafür
haben!), welches nicht einmal im Reiseführer aufgelistet war. Der Hotelbesitzer
stand die ganze Zeit nur mit Handtuch um die Hüfte gewickelt vor uns und hat,
mal wieder lautstark, mit uns und den Taxifahrern über den Preis verhandelt.
Irgendwann haben wir dann nachgegeben, weil wir eingesehen haben, dass wir
schlecht auf der Straße schlafen konnten. Der werte Herr hat uns dann auch ein
TroTro nach Mole organisiert, das zwischendurch im tiefen Sand steckengeblieben
ist. Also haben die Obrunis den Wagen angeschoben, bis er wieder fuhr.
Das Hotel war richtig schön gelegen: Man hatte vom Pool einen direkten Blick
auf den Nationalpark und konnte schon von oben Tiere beobachten. Schön! Auf dem
Gelände liefen Borstenschweine und Affen herum, die den Ketchup vom Tisch
geklaut haben..
Am Nachmittag gabs die erste Walkingtour mit einem Guide, bei der wir als
Vorgeschmack schon einmal verschiedene Antilopenarten, Affen und Krokodile
gesehen haben. Am nächsten Morgen hatten wir dann eine längere Walkingtour,
schon vorm Frühstück. Mit der Zeit wurden wir immer hungriger und damit
ungeduldiger, wir wollten unbedingt Elefanten sehen. Aber Ghana ist nun einmal
kein optimales Safariland. Irgendwann kam eine Elefantenspur, der wir nicht
gefolgt sind, weil sie schon einen Tag alt war. Dann aber kam endlich ein
Anruf, wo zwei Elefanten gesichtet wurden und dann wurde Tempo gemacht. Und da
standen sie dann auch zwischen den Bäumen. Richtig schön!
Am frühen Abend gings dann auf die Drivingtour, bei der wir oben auf dem Dach
sitzen konnten. Wackelig, aber wir sind höchstens 40 km/h gefahren. Da haben
wir auch noch mal zwei Elefanten gesehen. Es hat sich also gelohnt..
Am nächsten Tag sind vierzehn von uns weiter zu den Hippos. In Damongo mussten
wir umsteigen in einen anderen Bus. Auch hier wurde unsere Geduld mal wieder
auf die Probe gestellt. Nach 500 m Fahrt hatte der Bus einen Platten und der
Fahrer kein vernünftiges Werkzeug. Nach 4 Stunden war der Reifen auch wieder
geflickt und es ging weiter. Der Plan, am Abend schon wieder nach Accra zu
fahren hatte sich damit dann auch erledigt. Aber guter Dinge haben wir uns dann
in Wa ein TroTro organisiert, um zu der Hippo Commune zu fahren. Der Fahrer
hatte nach 5 Minuten mit dem Mate (der sonst immer das Geld einsammelt)
getauscht und ist ausgestiegen. Bei der ersten Kreuzung gings dann auch los: Er
kannte den Weg nicht. Und der Hammer war: Er verstand nicht einmal englisch.
Selbst die Schilder, auf denen der Ort angekündigt wurde konnte er nicht lesen.
Der arme Kerl! Aber man kann doch keinen Analphabeten ganz allein mit Obrunis
losfahren lassen, wenn man weiß, dass er weder englisch kann noch den Weg kennt.
Durchatmen, durchatmen, durchatmen. Dort angekommen war weit und breit keine
Unterkunft zu erkennen, nur das Touristenoffice. Die Luft war ganz schön dick,
alle hatten den ganzen Tag nichts vernünftiges gegessen, andere mussten mal
dringend aufs Klo und wir bekamen es mit der Angst zu tun, dass wir keine
Unterkunft finden würden. Aber alles war mal wieder halb so wild: zu dem Office
gehörte eine Unterkunft. Erster Haken: Da keine Hauptsaison sei, müssten wir
selbst kochen. Eine Küche wäre aber vorhanden. Das hieß, wir haben noch schnell
20 Packungen Spaghettis, Tomatenmark, Brot, Butter und Wasser gekauft und das
Abenteuer begann. Dort angekommen fanden wir ein Lehmgebäude vor, eine
Feuerstelle, ein Plumpsklo und 100 m entfernt war ein Brunnen. Aber wir sind
alle freudig aus dem Tro rausgesprungen und haben uns auf alles eingelassen.
Der Höhepunkt kam dann noch: Wir sollten draußen unter freiem Himmel schlafen.
Also haben unsere Guides, die auch dort geschlafen haben, unser Lager draußen
auf Betonplateaus aufgebaut mit Matratzen, Kissen und Moskitonetzen bestückt.
Es war einfach herrlich! Der Himmel war sternenklar. Wiebke und ich sind mit
Eimern los zum Brunnen um Wasser zum Duschen zu holen. Die Mädchen haben uns
dort mit ganz großen Augen angeschaut und belächelt. Wie immer.
Morgens wurden wir vom Grunzen der Schweine und Meckern der Ziegen geweckt. Und
dann gings los auf die sogenannte „Kanu-Safari“.. Hier in Ghana wird nichts
organisiert. Das kann man sich gleich abschminken. Das heißt, auch hier wieder
Geduld: Es gab noch keine Boote, also haben die Guides auf dem Weg zum Fluss
noch Fischer nach Booten gefragt. Das ist so richtig typisch.. Als nach 2
Stunden dann Fischerboote aufgetrieben wurden, stellte sich heraus, dass sie
alle Lecks hatten und schon nach 10 Minuten vollgelaufen wären. Schade. Ich sah
uns schon zwischen Hippos und Krokodilen schwimmen.. Netter Vorschlag: zurück
zur Lodge gehen und dann mit dem Motorrad alle nacheinander zu einem anderen
Anlegeplatz bringen, wo es ein besseres Boot gäbe. Schade nur, dass die Zeit
davon lief, da wir um halb 6 schon wieder den Bus nach Accra nehmen mussten.
Glücklicherweise kam ein TroTro und alles ging schneller. Der Weg war
allerdings irgendwann so zu gewuchert, dass man den Weg nicht mehr erkennen konnte.
Aber das ist schon okay hier. Gar kein Problem, dann steigt man halt mal kurz
aus wenn Äste im Weg liegen und fährt über die 2m hohen Gräser hinweg. Hat
funktioniert! Wenn ich hier was mit nach Hause nehmen, dann, dass nichts
unmöglich ist!
Zu unserer Freude haben wir dann auch noch Hippos gesehen..

unser Ausblick zum Hotel
Elefantenspur
Feststecken mit dem TroTro
Unsere Unterkunft
Mit diesen Booten sollten wir fahren
Der zugewucherte Weg