Sonntag, 18. November 2012

 
Am Montag gings los auf „Safari“ in den Mole Nationalpark im Norden. Um halb 6 wurden wir am Haus abgeholt und zur Busstation nach Accra gebracht, um mit einem richtigen Reisebus in den Norden zu fahren. Die ghanaische Pünktlichkeit war mal wieder zu spüren: Der Bus kam erst so spät, dass wir hier um halb 10 losgekommen sind und wir waren ganze 12 Stunden unterwegs. In der letzten Reihe saßen Männer, deren erste Frage war: Haben wir einen Aufpasser im Bus, der im Notfall eine Knarre hat? Und das war wirklich ernst gemeint. Denn normalerweise, so auch auf dem Rückweg, steigt immer einer mit ein, sobald man nachts unterwegs ist.
Da wir im Voraus keine Unterkunft bekommen haben, da im Reiseführer alle Telefonnummern falsch sind, sind wir ganz naiv zu achtzehnt nach Tamale, in der Hoffnung, nach 22 Uhr noch etwas zu bekommen. Ein Mann aus dem Bus hatte das spitz gekriegt und einen Freund angerufen, der uns dann versichert hatte, wir können in eine bestimmte Lodge. Vor der Lodge stellte sich dann aber heraus, dass sie doch keinen Platz für uns hätten. Also haben wir die Nacht in einem heruntergekommenen Hotel geschlafen (der Idiot wollte ganze 30 GH Cedi dafür haben!), welches nicht einmal im Reiseführer aufgelistet war. Der Hotelbesitzer stand die ganze Zeit nur mit Handtuch um die Hüfte gewickelt vor uns und hat, mal wieder lautstark, mit uns und den Taxifahrern über den Preis verhandelt. Irgendwann haben wir dann nachgegeben, weil wir eingesehen haben, dass wir schlecht auf der Straße schlafen konnten. Der werte Herr hat uns dann auch ein TroTro nach Mole organisiert, das zwischendurch im tiefen Sand steckengeblieben ist. Also haben die Obrunis den Wagen angeschoben, bis er wieder fuhr.
Das Hotel war richtig schön gelegen: Man hatte vom Pool einen direkten Blick auf den Nationalpark und konnte schon von oben Tiere beobachten. Schön! Auf dem Gelände liefen Borstenschweine und Affen herum, die den Ketchup vom Tisch geklaut haben..
Am Nachmittag gabs die erste Walkingtour mit einem Guide, bei der wir als Vorgeschmack schon einmal verschiedene Antilopenarten, Affen und Krokodile gesehen haben. Am nächsten Morgen hatten wir dann eine längere Walkingtour, schon vorm Frühstück. Mit der Zeit wurden wir immer hungriger und damit ungeduldiger, wir wollten unbedingt Elefanten sehen. Aber Ghana ist nun einmal kein optimales Safariland. Irgendwann kam eine Elefantenspur, der wir nicht gefolgt sind, weil sie schon einen Tag alt war. Dann aber kam endlich ein Anruf, wo zwei Elefanten gesichtet wurden und dann wurde Tempo gemacht. Und da standen sie dann auch zwischen den Bäumen. Richtig schön!
Am frühen Abend gings dann auf die Drivingtour, bei der wir oben auf dem Dach sitzen konnten. Wackelig, aber wir sind höchstens 40 km/h gefahren. Da haben wir auch noch mal zwei Elefanten gesehen. Es hat sich also gelohnt..
Am nächsten Tag sind vierzehn von uns weiter zu den Hippos. In Damongo mussten wir umsteigen in einen anderen Bus. Auch hier wurde unsere Geduld mal wieder auf die Probe gestellt. Nach 500 m Fahrt hatte der Bus einen Platten und der Fahrer kein vernünftiges Werkzeug. Nach 4 Stunden war der Reifen auch wieder geflickt und es ging weiter. Der Plan, am Abend schon wieder nach Accra zu fahren hatte sich damit dann auch erledigt. Aber guter Dinge haben wir uns dann in Wa ein TroTro organisiert, um zu der Hippo Commune zu fahren. Der Fahrer hatte nach 5 Minuten mit dem Mate (der sonst immer das Geld einsammelt) getauscht und ist ausgestiegen. Bei der ersten Kreuzung gings dann auch los: Er kannte den Weg nicht. Und der Hammer war: Er verstand nicht einmal englisch. Selbst die Schilder, auf denen der Ort angekündigt wurde konnte er nicht lesen. Der arme Kerl! Aber man kann doch keinen Analphabeten ganz allein mit Obrunis losfahren lassen, wenn man weiß, dass er weder englisch kann noch den Weg kennt. Durchatmen, durchatmen, durchatmen. Dort angekommen war weit und breit keine Unterkunft zu erkennen, nur das Touristenoffice. Die Luft war ganz schön dick, alle hatten den ganzen Tag nichts vernünftiges gegessen, andere mussten mal dringend aufs Klo und wir bekamen es mit der Angst zu tun, dass wir keine Unterkunft finden würden. Aber alles war mal wieder halb so wild: zu dem Office gehörte eine Unterkunft. Erster Haken: Da keine Hauptsaison sei, müssten wir selbst kochen. Eine Küche wäre aber vorhanden. Das hieß, wir haben noch schnell 20 Packungen Spaghettis, Tomatenmark, Brot, Butter und Wasser gekauft und das Abenteuer begann. Dort angekommen fanden wir ein Lehmgebäude vor, eine Feuerstelle, ein Plumpsklo und 100 m entfernt war ein Brunnen. Aber wir sind alle freudig aus dem Tro rausgesprungen und haben uns auf alles eingelassen. Der Höhepunkt kam dann noch: Wir sollten draußen unter freiem Himmel schlafen. Also haben unsere Guides, die auch dort geschlafen haben, unser Lager draußen auf Betonplateaus aufgebaut mit Matratzen, Kissen und Moskitonetzen bestückt. Es war einfach herrlich! Der Himmel war sternenklar. Wiebke und ich sind mit Eimern los zum Brunnen um Wasser zum Duschen zu holen. Die Mädchen haben uns dort mit ganz großen Augen angeschaut und belächelt. Wie immer.
Morgens wurden wir vom Grunzen der Schweine und Meckern der Ziegen geweckt. Und dann gings los auf die sogenannte „Kanu-Safari“.. Hier in Ghana wird nichts organisiert. Das kann man sich gleich abschminken. Das heißt, auch hier wieder Geduld: Es gab noch keine Boote, also haben die Guides auf dem Weg zum Fluss noch Fischer nach Booten gefragt. Das ist so richtig typisch.. Als nach 2 Stunden dann Fischerboote aufgetrieben wurden, stellte sich heraus, dass sie alle Lecks hatten und schon nach 10 Minuten vollgelaufen wären. Schade. Ich sah uns schon zwischen Hippos und Krokodilen schwimmen.. Netter Vorschlag: zurück zur Lodge gehen und dann mit dem Motorrad alle nacheinander zu einem anderen Anlegeplatz bringen, wo es ein besseres Boot gäbe. Schade nur, dass die Zeit davon lief, da wir um halb 6 schon wieder den Bus nach Accra nehmen mussten. Glücklicherweise kam ein TroTro und alles ging schneller. Der Weg war allerdings irgendwann so zu gewuchert, dass man den Weg nicht mehr erkennen konnte. Aber das ist schon okay hier. Gar kein Problem, dann steigt man halt mal kurz aus wenn Äste im Weg liegen und fährt über die 2m hohen Gräser hinweg. Hat funktioniert! Wenn ich hier was mit nach Hause nehmen, dann, dass nichts unmöglich ist!
Zu unserer Freude haben wir dann auch noch Hippos gesehen..
 unser Ausblick zum Hotel
 Elefantenspur

 Feststecken mit dem TroTro

 Unsere Unterkunft

 Mit diesen Booten sollten wir fahren
 Der zugewucherte Weg


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