Dienstag, 6. November 2012



Dienstag Nachmittag gings los zu Janni nach Asamankese. Bente hatte mich hier noch mit Pfefferspray und Alarmgerät ausgestattet und wurde schon unruhig als ich um 5 vor 3 noch seelenruhig in der Runde saß: Leonie, ich möchte wirklich nicht, dass du bei Dunkelheit allein durch Ghana läufst! – Also habe ich mich ins Reisebuch eingetragen und bin los. Ein komisches Gefühl mal alleine loszuziehen.  Am Circle musste ich umsteigen nach Asamankese. Und dann stand ich da mit meinem bunten Obstkorb (mein Geschenk für ihre Gastfamilie), der mit afrikanischem Stoff und Stoffblume geschmückt war und habe mich nach diesem Ort durchgefragt. Das erste Hindernis: den Ort habe ich vollkommen falsch betont ausgesprochen und bin auf ratlose Gesichter gestoßen bis mich ein Verkäufer, der Kosmetik auf dem Kopf verkauft hat, zum richtigen TroTro gebracht hat. Auf dem Weg zum Tro habe ich als Obruni mal wieder die komplette Aufmerksamkeit auf mich gezogen und hatte einen jungen Mann an mir kleben der meine Nummer haben wollte und mir verklickern wollte, ich solle doch zwei Tickets kaufen, für ihn und mich. Sieh zu, dass du weg kommst! Ab ins Tro, plötzlich stand der Verkäufer wieder an der Tür und wollte sich vergewissern ob jemand in Asamankese auf mich warten würde. Na klaro! Leider mussten wir eine ganze Stunde warten bis das Tro voll wurde, so kam ich erst um 5 aus Accra los. Unterwegs gabs noch einen Stau, da ein LKW schief stand. Immer wieder haben Janni und ich SMS hin und her geschrieben und ich sollte ihr schreiben, wenn ich ein Ortsschild erkenne, damit sie wüsste, wann ich da bin. Aber es kam kein Ortsschild und es wurde immer dunkler und dunkler, bis ich auch keine hätte mehr  erkennen können. Da blieb mir nichts anderes übrig als die Station, die Janni mir geschrieben hatte, dem Sitznachbarn zu zeigen und ihn um Hilfe zu beten, damit er mir sagen konnte, wo ich rausmusste. Problem: er kannte diese Station nicht und dann wurde auch schon mein Handy von einer zur anderen Person herumgereicht und lautstark darüber diskutiert, wo ich wohl rausmusste. Ich verstand natürlich kein Twi. Und dann klärte mich eine Frau auf und meinte: Du sitzt im falschen Tro! … ich hab erst einmal versucht ganz ruhig zu bleiben, da mir ja sowieso nichts anderes übrig blieb. Und die Frau hatte mir versichert, dass ich in Asamankese umsteigen könne. Also alles halb so wild. Als ich Janni auf den neusten Stand bringen wollte rief sie mich an und meinte, dass das nicht sein könne, das läge doch auf dem Weg. Also hat ihr Gastpapa mit der Frau telefoniert, bis der Groschen fiel. Da wurde mir ganz freundlich auf die Schulter geklopft und mir versichert : You’re right!
Zehn Minuten später war ich auch schon da und wurde von Janni und der halben Familie abgeholt.
 Die Gastfamilie von Janni
 Auf der Passionfruit-Plantage


Am Mittwoch sind wir zwei mit Tobi (ein Freiwilliger, der mit Janni in einer Familie wohnt) zu seiner Obstfarm. Dort haben wir in der prallen Hitze zwischen Papayapflanzen Unkraut gejätet. Klitschnass waren wir. Später gings noch zur Passionfruit-Plantage und wir haben die Rucksäcke voll gesammelt. Die sind ja so verdammt lecker!  Am nächsten Tag hatte ich allerdings Muskelkater in der Zunge vom Ausschlecken :D
Donnerstag gings mit Janni in ihr Waisenhaus. Die Nachbarsklasse hatte einen Willkommensgruß für mich vorbereitet, sehr süß! Da die meisten Kinder ins Krankenhaus sollten, sind wir mit, da sonst nur noch 3 Kinder da gewesen wären, mit denen man Unterricht hätte machen können. Zu 11 sind wir in einem Taxi ins Krankenhaus. Der Arzt hatte uns aufgeklärt, dass der Ausschlag, den die Kinder am ganzen Körper haben, höchst ansteckend ist und schon bei Körperkontakt übertragen werden könne. Da wurde uns plötzlich ganz anders und ich habe erst einmal eine Runde Desinfektionsmittel ausgegeben. Eine Stunde später hatte ich ganz viele kleine rote Pusteln am Unterarm, da bin ich fast in die Luft gesprungen. Die waren nach 2 Tagen dann aber wieder weg. Da habe ich mich wohl einfach ein bisschen zu wild gemacht.
Zu Jannis Leben in der Gastfamilie: Sie erlebt alles noch einmal so verdammt anders als ich. Sie hat nur ein Plumpsklo, Eimerdusche, bekommt jeden Tag ghanaisches Essen, hat als Kontaktperson quasi nur die Familie und Tobi. Wir haben abends im Bett immer wieder darüber gequatscht: Wie unterschiedlich man hier leben kann! Und beides hat irgendwie seine Reize.
Freitag bis Sonntag  haben wir 2 am Bosumtwi-See verbracht. Unser Doppelzimmer war wunderschön, mit sauberem Bad und Ventilator! Luxus pur! Da wir im Dunkeln erst angekommen sind, sind wir mit Vorfreude auf den kommenden Tag eingeschlafen. Am nächsten Tag haben wir eine Kanutour auf dem See gemacht, soo schön! J Und den restlichen Tag am Privatstrand verbracht. Es war wirklich eine schöne Woche und auch schön, jemanden zu haben, mit dem man sowohl die Erlebnisse in Ghana teilt als auch in Deutschland zum größten Teil dieselben Leute kennt. Und doch habe ich mich dann auch wieder auf Accra gefreut. Als Felina und Bente mir geschrieben haben, wann ich denn wieder „nach Hause“ kommen würde, da wurde mir ganz warm ums Herz. Irgendwie ist es wirklich ein Zuhause mit Menschen, die man ins Herz geschlossen hat. Als ich nach 9 Stunden Fahrt am Sonntag (diesmal im Hellen) durchs Tor kam, strahlte mich unser Watchiwatch schon mit einem „Welcome“ an, und Wiebke nahm mich ganz lieb in den Arm. Schön J
Aber abends fingen dann bei mir richtig heftige Magenkrämpfe mit Durchfall an. Ganz plötzlich. Ich hatte zwar auch einen riesen Hunger, aber mir war richtig übel. Die Nacht davor hatte ich schon kaum geschlafen und fiebrige Träume gehabt. Also ab ins Bett mit Eimer am Fußende. Am nächsten Tag war es immer noch nicht besser und Fieber kam dazu. Erst habe ich richtig gefroren, dann lief mir der Schweiß schon den Rücken runter. Die Mädels haben mich mal wieder ganz lieb umsorgt, mir Tütensuppen gemacht, einen Tee gekocht, eine Wärmflasche gemacht, einen Film mit mir geguckt, irgendwann Wadenwickel gemacht und mich mit Medikamenten versorgt. Und ganz passend: Bianca,  die schon seit ein paar Wochen wieder in Deutschland ist, hat mir ein Päckchen geschickt mit Haribo und Sudokus. Genau das richtige für den Tag. Super lieb! Und mir geht’s wieder prima. Ich vermute, dass das einfach nur ein Sonnenstich war..


 auf dem Lake Bosumtwi
 dabei sind wir fast gekentert




Und jetzt noch ein paar Neuigkeiten aus meinem Projekt: Mit Hilfe eines Clubs in Frankfurt und der Verwandtschaft von Frau Voges haben wir eine Spende von 355 Euro (855 ghanaische Cedi) zusammenbekommen. Letzte Woche haben wir unserem Projektleiter schon die Neuigkeit berichtet. Da ist er uns um den Hals gefallen und hat uns so lange gedrückt bis wir keine Luft mehr bekommen haben. Er hatte sogar Tränen in den Augen – wie schön! J Die Woche waren Bente und Felina mit ihm schon in Kasoa und haben sich erkundigt, was die ganzen Baumaterialien kosten. Die nächsten 2 Wochen werden Bauarbeiter kommen und die Klassenräume zu Ende bauen, die Wände verputzen, Abwasserrohre legen und den Hof asphaltieren. Da merkt man mal wieder, mit wie wenig Geld in Ghana so viel bezahlt werden kann. Wir sind nächste Woche ja erst einmal in Mole auf Safari. Und wenn wir wiederkommen, sollten wir dann mit Streichen und Wändebemalen anfangen. Es wird wird wird! Und das macht einen richtig glücklich!


 in der Woche waren felina, Bente und Patrick Zement kaufen
 beim Akosombo-Staudamm das Wochenende davor. Das ist fast unser gesamtes Haus :)

 Da kam ein Paeckchen mit Unterhosen von felinas Mama an und alle waren ganz aufgeregt :-)
 Darf ich vorstellen: das sind Bernhard und Mataa

Fuehlt euch ganz lieb geknuddelt ihr Lieben :-)

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